In den meisten Lehrveranstaltungen endet das Semester mit einer Prüfung, sei es eine klassische Klausur, eine Hausarbeit oder eine andere Prüfungsart wie ein Projektbericht oder eine mündliche Prüfung. Die Studierenden, die lediglich eine semesterbegleitende Leistung ablegen mussten, werden sich – zumindest in dieser Veranstaltung - entspannt zurücklehnen können. Für alle anderen stellt sich die Frage, wie die Inhalte und Methoden, die sie während der letzten Monate kennengelernt haben, in einer Prüfung abgefragt werden. Abfragen ist hier vielleicht sogar das falsche Wort, denn ausgehend von den nach Kompetenzen formulierten Lernziele (sh. dazu im ersten Beitrag dieser Miniserie und im LEHRELADEN) prüfen Sie nicht nur Wissen, sondern eben diese Kompetenzen. In der Erstellung von Prüfungen zeigt sich wieder ein Vorteil der Formulierung der Lernziele nach der in der Hochschuldidaktik üblichen Formulierungsart:
Die Studierenden können nach der Veranstaltung (Inhalt) (Verb aus der Taxonomiestufe),
indem sie (Womit?/Werkzeug), um (Wozu?/Zweck).
Sie haben in der Vorbereitung der Lehrveranstaltung die Lernziele formuliert und Ihre Lehre entsprechend gestaltet. Dann ist es jetzt eine leichte Aufgabe, die Lernziele in Prüfungsaufgaben umzuwandeln. Sie erstellen sich (fast) wie von selbst. Auch wenn die Studierenden das nicht gerne hören: Sind die Inhalte der Lehrveranstaltung an den Lernzielen ausgerichtet, ist alles prüfungsrelevant. Es sollte aber auch alles ausreichend geübt worden sein, um den Studierenden erfolgreiches Lernen für das Ablegen der Prüfung zu ermöglichen.
Dennoch kann es sein, dass die Studierenden in den letzten Semesterwochen einen erhöhten Gesprächsbedarf haben. Sofern möglich, sollten Sie dem in den letzten Veranstaltungsterminen Raum geben. Falls dafür keine Zeit bleibt, bietet sich zumindest ein Termin zur Prüfungsvorbereitung an, an dem die Studierenden ihre Fragen stellen können. Kündigen Sie diesen Termin mit ein paar Wochen Vorlauf an, damit sich die Studierenden vorbereiten können. Bei großen Veranstaltungen kann es sich lohnen Fragen im Vorhinein zu sammeln, entweder in einem Moodle-Forum oder über ein Tool wie frag.jetzt (In frag.jetzt können andere Studierende bestehende Fragen auch schon selbst beantworten oder Fragen liken, um ihr Interesse an der Beantwortung zu zeigen).
Individuelle Anliegen klären Sie am besten nicht zwischen Tür und Angel und auch nicht vor oder nach der Lehrveranstaltung im Seminarraum oder Hörsaal, sondern im Rahmen einer Sprechstunde in einem dafür geeigneten Raum. Allgemeine Tipps zur Beratung haben wir hier zusammengestellt und wir können Sie auch persönlich unterstützen. Informationen zu unserem Beratungsangebot sind auf unserer Website zu finden. Besonders sensibel ist der Umgang mit Beeinträchtigungen – Stichwort Nachteilsausgleich. Statistisch haben viel mehr Studierende Anspruch auf eine angepasste Prüfung, als es aktuell in Anspruch nehmen. Weisen Sie Ihre Studierenden mit Vorlauf darauf hin, dass sie einen Antrag auf Nachteilsausgleich stellen können. Alles weitere regelt der Prüfungsausschuss.
Ehrliches Feedback am Ende bringt echt mehr als die Standard-Evaluation, aber wer hat in der Prüfungsphase noch Zeit dafür?
Dass die Zeit am Ende des Semesters und besonders in der Prüfungsphase knapp ist, stimmt. Zum Glück gibt es kleine Methoden, die man ohne viel Vorbereitungsaufwand und mit nur kurzer Durchführungsdauer umsetzen kann. Die Durchsicht und Analyse der Ergebnisse kann dann zu einem Zeitpunkt passieren zu dem man wieder mehr Zeit hat. Ein Beispiele für eine solche Methode ist das One-Minute-Paper. Eine Anleitung zur Umsetzung finden Sie im LEHRELADEN (https://lehreladen.ruhr-uni-bochum.de/) im Methodenglossar.
Kann den Abschlussartikel nicht lesen, aber ehrlich gesagt bringt die ganze Didaktik-Diskussion mitten im Semester eh kaum noch was, da ist der Zug doch längst abgefahren.
Zum Glück ist nach dem Semester ja auch vor dem nächsten Semester. Zudem sind neben großen Veränderungen von Lehrveranstaltungen, die – da haben Sie Recht – nicht gut während des Semesters umsetzbar sind, auch kleine Veränderungen möglich. Und diese können auch während des Semesters noch ausprobiert werden. Beispiele für verschiedene kleine, einfach und mit wenig Zeitaufwand umsetzbare Methoden, finden Sie im LEHRELADEN (https://lehreladen.ruhr-uni-bochum.de/) oder in unseren Weiterbildungsworkshops.