ZfW HÖRsaal: Gruppenarbeit neu gedacht

Hörsaal-Beitragsbild mit Schriftzug und Fotos der Gäste
Die Gruppenarbeit ist an deutschen Hochschulen seit Langem ein fester Bestandteil der Lehre. Wo man an der weiterführenden Schule oft in Gruppen mit Peers oder zumindest bekannten Gesichtern zusammenarbeitet, stehen einem an der Hochschule durch zufällig ausgeloste Gruppen oft fremde Gesichter gegenüber. Diese Dynamik wollte Prof. Stefan Winter durchbrechen und hat mit Erfolg in einer Veranstaltung eine neue, präferenzbasierte Form der Gruppenarbeit erprobt. Dieses Modell stellt er in der aktuellen Folge des ZfW HÖRsaal vor – viel Spaß beim Zuhören!
Im ZfW HÖRsaal gibt’s was auf die Ohren!
In unserem Mini-Podcast tauchen wir ein in spannende Themen rund um Studium und Lehre. Wir sprechen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem ZfW und weiteren Gästen, die ihr Wissen, ihre Erfahrungen und wertvolle Einblicke teilen. Entdecken Sie gemeinsam mit uns neue Perspektiven und inspirierende Gespräche. Hören Sie einfach mal rein!
Dass Gruppenarbeit didaktisch sinnvoll sein kann, steht außer Frage. An Hochschulen stehen Lehrende allerdings vor dem Problem, dass in einem Hörsaal oft Studierende zusammenkommen, die sich gerade zum ersten Mal begegnen. Das Ergebnis sind dann oft gezwungene, zufällige Gruppenarbeiten, in denen die Produktion schon oft dadurch limitiert ist, dass die Studierenden Hemmungen haben, miteinander zu kommunizieren. Um diesem Problem entgegenzukommen, hat Prof. Dr. Stefan Winter in einer seiner Masterveranstaltungen ein präferenzbasiertes System der Gruppenbildung erprobt – mit großem Erfolg!
Abbildung eines Mikrofons zum Mini-Podcasts "HÖRsaal" des ZfWs.
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Willkommen im ZfW HÖRsaal: Gruppenarbeit neu gedacht

Ehemalige Studierende kennen die Dynamik in Gruppenarbeiten an der Hochschule nur zu gut: Man wird gezwungen, mit mehreren Leuten, die man vorher noch nie gesehen hat, zusammenzuarbeiten und etwas zu produzieren, an dem oft Creditpoints hängen. Das Ergebnis: fehlende Kommunikation, Alleingänge, die Gefahr schlechter Ergebnisse.

Dieses Problem ist Prof. Dr. Stefan Winter in einer seiner Masterveranstaltungen angegangen: Um die Zusammenstellung zufälliger Gruppen zu verhindern, hat er zu Beginn einer Vorlesung mit 24 Teilnehmenden mehrere Kennenlernrunden realisiert, in denen die Studierenden einander im kurzen Gespräch begegnet sind und anhand dieser ersten Interaktion anonym ein sogenanntes Scoring vergeben haben, das die Empathie oder Antipathie gegenüber der anderen Person widerspiegelt. Auf Basis dieses Scorings wurden dann algorithmisch Gruppen zusammengestellt, in denen sich – laut Berechnung – alle Gruppenmitglieder miteinander verstehen.

Das Ergebnis dieser neuen Form der Gruppenzusammenstellung war bisher positiv. So konnte Prof. Dr. Winter unter anderem feststellen, dass die Handynutzung während der Veranstaltung drastisch zurückgegangen ist. Zudem sei die gesamte Interaktionsdynamik innerhalb der Veranstaltung als ausschließlich positiv zu bewerten und das gaben ihm auch die Studierenden in der Kursevaluation so zurück. Für die Zukunft möchte er gerne an diesem System festhalten und empfiehlt auch Lehrenden aller Fachbereiche, das Thema Gruppenarbeit neu zu denken und seinem Beispiel zu folgen.

Für alle Lehrenden, die ebenfalls eine präferenzbasierte Form der Gruppenarbeit in ihren Veranstaltungen realisieren wollen, hat er eine Handreichung geschrieben – außerdem kann man sich bei Rückfragen gerne bei ihm oder dem Team der Hochschuldidaktik des ZfW melden! 😊

Viel Hörvergnügen bei unserer aktuellen Episode!

- Dieser Blogartikel wurde von Ben Scherer verfasst. -

Nachdem sich die Gruppen gefunden haben, setzen die sich sofort alle zusammen und fangen an miteinander zu quatschen. Die Handynutzung, würde ich vermuten, ist währen der Veranstaltung zu 90 % gesunken im Vergleich zu anderen Veranstaltungen. Das freut mich mit am meisten, das alleine sehe ich schon als Riesenerfolg.
- Prof. Dr. Stefan Winter -

Zu den Personen:
Prof. Dr. Winter, Copyright © RUB, Marquard

Quelle:
© RUB, Marquard

Prof. Dr. Stefan Winter leitet seit September 2004 den Lehrstuhl für Human Resource Management an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Seine Interessengebiete beziehen sich auf Fragen der Anreiz- und Organisationsgestaltung, die Vertragsökonomie sowie Fragestellungen rund um die Organisation von Bildungsabschlüssen. Seine besondere Liebe gilt der Lehre, für die er allein sechsmal den Titel „Lehrstuhl des Jahres“ durch die Fachschaft seiner Fakultät verliehen bekommen hat. Seit sieben Jahren bietet Prof. Dr. Winter ein Wahlmodul zum Selbstmanagement an, in welchem Studierende Techniken der besseren Umgangs mit sich selbst und ihrer Studien- und Alltagsorganisation erlernen können. Das Modul wurde inzwischen von mehr als 2.000 Studierenden absolviert. | E-Mail: stefan.winter@rub.de
Ben Scherer
Ben Scherer, seit 2024 Host beim ZfW HÖRsaal, ist Lehrbeauftragter für Englisch und Workshopleiter der Veranstaltung „Shakespeare or Shakesfear“ des Alfried Krupp-Schülerlabors an der Ruhr-Universität Bochum. Er hat an der RUB Englisch und Geschichte mit dem besonderen Fokus „Shakespeare Studies: Early English Literature and Culture“ studiert und na klar, er macht auch Podcasts – und das mit Leidenschaft. Er ist nämlich auch reguläres Mitglied des Teams von „Mediä… WAT?!“ beim mediävistischen Podcast Pergament und Mikrofon. | E Mail: ben.scherer@rub.de
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Sarah Görlich
Mitarbeiterin im Bereich eLearning des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik und tätig im Projekt KI:Expertisezentrum.nrw im Handlungsfeld Kompetenz.

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