
Die Autorinnen dieses Beitrags
Das Konzept
Der Hintergrund
Das Vorgehen
Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung startet folglich damit, die Lernziele der Lehrveranstaltung und damit auch der Prüfung zu explizieren. Daraus lässt sich ableiten, was im Fokus der Bewertung stehen soll: Ergebnis, Lernzuwachs oder Prozess. Denn in Prüfungen bewerten wir die Fähigkeit der Studierenden, wissenschaftlich zu handeln. Was heißt das genau? Die Klärung der Ziele, sprich „Was genau sollen die Studierenden eigentlich lernen?“ ist zentral für die Formulierung von Kompetenzanforderungen. Daraus können in einem weiteren Schritt passende Kriterien zur Beurteilung ausgewählt werden, und z. B. in Form von Kriterienrastern operationalisierbar gemacht werden. Und wenn es um Bewertungskriterien geht, lohnt sich ein Blick auf die Fehlertoleranz. Wie hoch ist diese?
Aus der Reflexion dieser Aspekte stellen sich weitere Fragen, gerade weil die Möglichkeiten der Unterstützung durch generative Technologien („KI“) groß sind: Welche Rolle spielen Hilfsmittel in der Prüfungsleistung und wie können diese ggf. gekennzeichnet werden?
Daraus ergibt sich eine weitere Ebene der Reflexion, die im voll gepackten Lehr-Alltag gerne in den Hintergrund gerät: Wir empfehlen als expliziten Schritt die Reflexion darüber, wie es um das Verhältnis von Kontrolle zu Vertrauen steht. Es gibt hier – wie auch bei den anderen Punkten – kein Richtig oder Falsch. Vielmehr sehen wir Kontrolle und Vertrauen als Pole eines Kontinuums, auf dem sich Prüfende bewegen. Es geht darum sich bewusst zu machen, wo auf diesem Kontinuum die jeweilige Prüfung verortet ist und sein soll. Für „KI-robuste(re)“ Prüfungen spielt zudem eine Rolle, wie Lehrende ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kontrolle und Vertrauen finden können, das sowohl die Integrität der Prüfungen als auch die Motivation und Selbstständigkeit der Studierenden fördert.
Möglicherweise ergibt sich aus der Reflexion die Feststellung, dass ein anderes Prüfungsformat geeigneter ist (und zur Prüfungsordnung und den Modulanforderungen passt, oder hier der Nachbesserungsbedarf besteht), oder dass die entscheidenden Stellschrauben an anderer Stelle liegen.
Die Erfahrungen
Manchmal führt der Einsatz des Reflexionsbogens auch zu vorübergehendem Frust, weil der persönliche Anspruch einer Lehrperson an die Prüfung nicht mit der Realität übereinstimmt. Dann sind Nachbesserungen möglich. Ein Beispiel aus der RUB: In einer Prüfung war die Fehlertoleranz aufgrund einer automatisierten Auswertung von Antworten im E-Prüfungssystem gleich Null. Weil das nicht den Lernzielen entsprach, denken die Verantwortlichen jetzt darüber nach, Antworten wieder manuell auszuwerten und so eine gewisse Fehlertoleranz zu ermöglichen, was wiederum besser zu den Lernzielen der Veranstaltung passen würde. Erst die angeleitete Reflexion führte zu dieser Erkenntnis.
Es geht, wie so oft, nicht darum, dass Lehrende alles perfekt machen. Summative Prüfungen erzeugen aufgrund ihrer Herrschafts- und Sozialisierungs- bzw. Rekrutierungsfunktionen stets ein Spannungsfeld. Gerade deshalb ist es wichtig, sich die unterschiedlichen Aspekte einer Prüfung auch auf einer Metaebene anzuschauen und zu reflektieren. Da es keine pauschalen Antworten auf die Frage gibt, wie Prüfungen in Zeiten generativer Technologien gestaltet sein sollten, soll den Prüfenden so die Möglichkeit gegeben werden, ein Format zu entwickeln, das für sie umsetz- und vertretbar ist – trotz aller Unsicherheit, die weiterhin bestehen bleibt. Obwohl Prüfungsordnungen, Rahmenbedingungen und vorhandene Ressourcen Grenzen bei der Wahl der Prüfungsformate setzen, können die Lehrenden Spielräume nutzen, Prüfungen – ausgehend von den Lernzielen – möglichst sinnvoll zu gestalten.
Der Zehn-Schritte-Plan
- Prüfungsform (Klausur, Hausarbeit, mündliche Prüfung)
- Lernziele
- Bewertung (Ergebnis, Lernzuwachs, Prozess; Fehlertoleranz)
- Vergleichbarkeit (Kriterienraster, Musterlösung, Kennzeichnung LLM, Sonstiges)
- Bewertungskriterien
- Passung Bewertungskriterien und Lernziele (ja, jein, nein)
- Leistung Studierender
- Hilfsmittel & Kennzeichnung von Hilfsmitteln
- Kontrolle bis Vertrauen
- alternative Prüfungsformen für Lernziele
Interessiert? Dann gibt es hier weitere Informationen
Wenn Sie den Reflexionsbogen selbst nutzen möchten, können Sie sich ihn hier herunterladen. Als RUB-Lehrende*r können Sie sich damit auch gerne an uns wenden, um gemeinsam zu überlegen, wie sich eine Prüfung mit „KI“ so anpassen lässt, dass sie besser zu den Lernzielen passt.
Als didaktisch beratende Person können Sie den Bogen gerne für Ihre Angebote nutzen, er ist lizensiert mit Creative Commons-Lizenz cc-by-sa (Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen) 4.0 International. Und wir freuen uns über Erfahrungsberichte!
Auf unserer Plattform LEHRELADEN finden Sie mit dem Thema „KI und Prüfen“ verwandte weiterführende Artikel. Schauen Sie doch mal vorbei:




