

Lena Maria Kesting arbeitet seit Februar 2024 als abgeordnete Lehrerin an der Ruhr-Universität Bochum an der Professional School of Education. Während sie sich in der Lehre vor allem im Schwerpunktbereich Agilität, BNE, Making und Lernbegleitung einbringt, liegen ihre Forschungs-/Arbeitsschwerpunkte u.a. in den Bereichen Professionalisierung von Lehrkräften in der dritten Phase der Lehrer:innenbildung sowie Lernbegleitung & Lernkulturwandel.
Wir wünschen Frau Lena Maria Kesting für ihren weiteren Weg alles Gute!
Nachgefragt, nachgehakt!
RM: Was war Ihre Motivation, am hochschuldidaktischen Qualifizierungsprogramm teilzunehmen?
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LMK: Als ausgebildete Lehrerin mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung war mir früh bewusst, dass sich Hochschullehre in wichtigen Punkten von der allgemeinen Didaktik unterscheidet. Aus Neugier und dem Wunsch, mein Verständnis von guter Lehre zu erweitern, habe ich zunächst einzelne Workshopangebote besucht.
Dabei wurde schnell deutlich, wie spannend ich die hochschuldidaktischen Fragestellungen finde. Ich wollte besser verstehen, was gelingende Hochschullehre ausmacht und welche Rolle ich als Dozierende dabei einnehme: Reproduziere ich bestehende Formate oder gestalte ich Lernprozesse aktiv mit? Aus den einzelnen Workshops wurde schließlich der Entschluss, das Zertifikatsprogramm zu absolvieren. Besonders bereichernd war für mich dabei der Austausch mit Dozierenden aus unterschiedlichen Disziplinen und Hochschulen, was ich zu Beginn gar nicht erwartet hatte.
RM: Welche Lehrherausforderungen haben Sie zu uns geführt?
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LMK: Zu Beginn meiner Tätigkeit an der Hochschule habe ich ein bestehendes Seminarkonzept übernommen. Im Laufe der Veranstaltung merkte ich jedoch, dass dieses Format nicht zu meinem Verständnis von Lehre passte und ich mich in meiner Rolle als Dozierende nicht authentisch fühlte.
Deshalb habe ich das Seminar grundlegend überarbeitet und mich parallel gezielt nach hochschuldidaktischer Unterstützung umgesehen. Ich wollte meine Entscheidungen nicht nur intuitiv treffen, sondern auch theoretisch fundieren. Das Zertifikatsprogramm hat mich darin bestärkt, meinen eigenen Stil umzusetzen und andere Wege in der Lehre auszuprobieren.
RM: Was hat Ihnen am Qualifizierungsprogramm besonders gut gefallen?
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LMK: Besonders geschätzt habe ich den offenen Austausch mit Dozierenden aus unterschiedlichen Fachbereichen und Hochschulen. Trotz verschiedener Disziplinen haben wir oft ähnliche Fragen und Herausforderungen in der Lehre geteilt. Darüber hinaus bot das Programm einen wertvollen Raum, um sich bewusst Zeit für die eigene Weiterentwicklung zu nehmen und die eigene Lehrpraxis zu reflektieren. Die herzliche Atmosphäre, die hohe Ansprechbarkeit des Teams und die Vielfalt der Referent:innen haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich jederzeit gut aufgehoben gefühlt habe. Besonders bereichernd war auch, dass man vielen Teilnehmenden im Laufe des Programms immer wieder begegnet ist und so ein nachhaltiger kollegialer Austausch entstehen konnte.
RM: Gibt es einen speziellen Kurs, der Ihnen besonders gut gefallen hat?
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LMK: Der Workshop „Prokrastination bei Studierenden erkennen, vorbeugen und unterstützend beraten“ von Prof. Dr. Katrin B. Klingsieck hat meinen Blick auf das Thema nachhaltig verändert. Besonders wertvoll fand ich die differenzierte Auseinandersetzung damit, was Prokrastination tatsächlich ist und was nicht. Seitdem gehe ich im Alltag deutlich reflektierter mit dem Begriff um.
Im Kurs „Chancengerecht prüfen mittels Nachteilsausgleich“ von Julia Winkelkotte habe ich zahlreiche konkrete Anregungen und Unterstützungsangebote kennengelernt, um Prüfungen und Lehrveranstaltungen inklusiver zu gestalten. Besonders beeindruckt hat mich, wie praxisnah Fragen der Inklusion behandelt wurden. Auch die Veranstaltung „Grundlagen des Prüfens und Bewertens“ von Dr. Sebastian Walzik an der Heinrich-Heine-Universität hat mir wichtige Impulse gegeben. Viele Inhalte waren mir aus der schulischen Praxis vertraut, erhielten im Kontext der Hochschullehre jedoch eine neue Perspektive. Vor allem die didaktische Gestaltung und die vielen praxisnahen Anregungen haben mich inspiriert.
RM: Was konnten Sie schon in Ihrer Lehre umsetzen und wie waren Ihre Erfahrungen damit?
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LMK: Viele Impulse aus dem Qualifizierungsprogramm sind inzwischen fester Bestandteil meiner Lehrpraxis geworden. So plane ich meine Lehrveranstaltungen konsequenter entlang des Constructive Alignment und richte Lernziele, Lehr-Lern-Aktivitäten und Prüfungsformate systematisch aufeinander aus. Darüber hinaus habe ich zusammen mit Studierenden ein Awareness-Konzept entwickelt, um eine wertschätzende und diskriminierungssensible Lernumgebung zu fördern. Auch die Auseinandersetzung mit Unconscious Bias begleitet mich inzwischen kontinuierlich, sowohl bei der Planung von Lehrveranstaltungen als auch bei Prüfungs- und Feedbackprozessen. Methoden wie die kollegiale Fallberatung habe ich ebenfalls in meine Lehre integriert und erlebe sie als wertvolles Instrument für Reflexion und Austausch. Besonders gefreut hat mich, dass ich einzelne Impulse, etwa den Einsatz von Storytelling, auch außerhalb der Lehre nutzen konnte, beispielsweise in einem wissenschaftlichen Vortrag. Meine Erfahrung ist, dass komplexe Inhalte dadurch zugänglicher werden und das Interesse des Publikums steigt.
RM: Warum und wem würden Sie eine Teilnahme am Programm empfehlen?
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LMK: Ich würde das Programm allen empfehlen, die in der Hochschullehre tätig sind, unabhängig von Fachrichtung oder Vorerfahrung. Das Zertifikatsprogramm vermittelt wichtige Grundlagen und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, individuelle Schwerpunkte zu setzen in den Bereichen ‚Lehren und Lernen‘ über ‚Prüfen und Bewerten‘ bis hin zu ‚Beratung‘ sowie ‚Evaluation und Feedback‘. Besonders bereichernd finde ich die große Auswahl an Veranstaltungen und die Möglichkeit, auch hochschulübergreifende Angebote wahrzunehmen. Dadurch entstehen neue Perspektiven und wertvolle Netzwerke. Aus meiner Sicht lebt gute Lehre von Reflexion und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Das Programm bietet dafür einen hervorragenden Rahmen.
RM: Welche Bedeutung hat das Zertifikat für Ihre Karriere?
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LMK: Welche konkreten Auswirkungen das Zertifikat langfristig auf meinen beruflichen Weg haben wird, kann ich derzeit noch nicht abschätzen. Schon jetzt hat mir das Programm jedoch gezeigt, wie sehr mich hochschuldidaktische Fragestellungen begeistern. Die intensive Auseinandersetzung mit guter Lehre hat meinen Blick auf meine Rolle als Lehrende geschärft und meinen Weg hin zur Lernbegleiterin weiter gefestigt. Gleichzeitig hat sie mein Interesse an Hochschuldidaktik als eigenständigem Arbeitsfeld geweckt. Unabhängig davon, wie mein weiterer beruflicher Weg aussehen wird, steht das Zertifikat für mich vor allem für die bewusste Entscheidung, meine Lehrpraxis kontinuierlich weiterzuentwickeln und Hochschullehre aktiv mitzugestalten. Besonders freue ich mich darüber, die gewonnenen Impulse bereits im kommenden Jahr weitergeben zu können: Im Rahmen einer eigenen Veranstaltung im Qualifizierungsprogramm habe ich die Möglichkeit, meine Erfahrungen einzubringen und gemeinsam mit anderen Lehrenden neue Perspektiven auf Lehre zu entwickeln.
Hat Frau Lena Maria Kesting Ihr Interesse geweckt? Dann machen Sie mit!

Dr. Robin Matz
Hochschuldidaktik
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