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Universitäten waren einmal Orte, an denen Menschen lernten, wie man denkt. Heute benötigen sie Handreichungen dafür, wie man miteinander spricht. Fortschritt ist eben ein dehnbarer Begriff.
Natürlich braucht eine Hochschule Regeln. Wer glaubt, wissenschaftliche Debatten ließen sich durch Gebrüll, Einschüchterung oder ideologische Muskelspiele gewinnen, sollte vielleicht lieber Wrestling kommentieren. Forschung lebt vom Streit – allerdings von der Sorte, bei der Argumente aufeinandertreffen und nicht bloß Lautstärken.
Interessant ist jedoch die Versuchung, für jede neue gesellschaftliche Verwerfung sofort ein neues Dokument zu verfassen. Handreichungen vermehren sich inzwischen schneller als Kaninchen auf einem Karottenfeld. Irgendwann wird es vermutlich eine Handreichung zum angemessenen Umgang mit Handreichungen geben.
Die eigentliche Demokratieprüfung findet ohnehin nicht auf Papier statt. Sie beginnt in dem Moment, in dem jemand eine absurde Meinung äußert und der Rest des Raumes entscheiden muss, ob er sie widerlegt, ignoriert oder verbieten möchte.
Eine Universität, in der alle derselben Meinung sind, ist kein Ort der Erkenntnis. Sie ist ein Kloster ohne den Trost eines guten Bieres. Und das wäre ein ausgesprochen trauriger Gedanke. 🦌
Vielen Dank für Ihren Kommentar! Genau, darum geht’s: Die Universität als Raum erhalten, in dem unterschiedliche Meinungen ihren Platz haben. Rat zu geben und Rat zu holen (z. B. durch Handreichungen), wie das gelingen kann, ist in unseren Augen keine Schwäche – im Gegenteil. Denn wir erleben ja in unserem Alltag, dass Lehrende zu dem Thema Ideen und Rat suchen. Auf jeden Fall danke für Ihren anderen Blickwinkel.