Handreichung für Lehrende zur Demokratie unter Druck

Beitragsbild: Handreichung für Lehrende zur Demokratie unter Druck
Wie reagieren, wenn sich in einem Seminar jemand demokratiefeindlich äußert? Lehrende finden Argumentationshilfen und Beispiele in der neuen Handreichung.
Demokratiefeindliche Kräfte machen auch vor Lehrveranstaltungen nicht Halt. In welchem Rahmen ist eine persönliche Positionierung in der Lehre möglich oder sogar geboten? Wie erfüllen wir unsere Fürsorge- und Schutzpflicht gegenüber Studierenden sowie Mitarbeitenden, ohne Diskursräume zu verschließen? Und was kann Hochschullehre zur Stärkung der Demokratiefähigkeit von Studierenden beitragen? Diese Fragen behandelt die neue Handreichung für Lehrende, die das Rektorat der Ruhr-Universität Bochum am 10. Juni 2026 mit großer Zustimmung beschlossen hat.
„Die Hochschule ist ein Ort freier Forschung und kontroverser Debatte. Wir wollen mit der vorliegenden Handreichung Lehrende unterstützen, wenn die damit verbundene Offenheit und Vielfalt in Lehrveranstaltungen bedroht wird. Es geht darum, antipluralistische Diskursstrategien zu erkennen und ein Instrumentarium zur Verfügung zu haben, mit dem Lehrende auf Störungen reagieren können.“
Ergänzend zum universitätsweiten Handlungskonzept zur Förderung von Demokratie und Vielfalt haben Michalina Trompeta, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, und Dr. Peter Salden, Leiter des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik, die Handreichung entwickelt. Sie wurde in zwei Universitätskommissionen intensiv diskutiert. Die Handreichung formuliert gegenwärtige Herausforderungen in der Hochschullehre, klärt die rechtlichen Rahmenbedingungen und reflektiert, wie Lehrende mit alltagsdiskriminierenden, politisch radikalen oder extremistischen Äußerungen konkret umgehen können. 
Zentral ist darüber hinaus die Frage, wie Lehre die Demokratiekompetenz von Studierenden stärken kann und was die Verpflichtung auf die Verfassung für das Selbstverständnis von Lehrenden bedeutet. Die Handreichung enthält viele Beispiele, die sowohl die Herausforderungen als auch Strategien des Umgangs damit veranschaulichen, sowie weiterführende Informationen und Beratungsangebote. Juristisch geprüft wurde die Handreichung von Prof. Dr. Julian Krüper (Öffentliches Recht und Verfassungstheorie).
Text ist zuerst erschienen am 12.06.2026, Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung: https://news.rub.de/hochschulpolitik/2026-06-12-angebot-handreichung-fuer-lehrende-zur-demokratie-unter-druck
Bild: adobe express
Kommentare

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  1. Universitäten waren einmal Orte, an denen Menschen lernten, wie man denkt. Heute benötigen sie Handreichungen dafür, wie man miteinander spricht. Fortschritt ist eben ein dehnbarer Begriff.

    Natürlich braucht eine Hochschule Regeln. Wer glaubt, wissenschaftliche Debatten ließen sich durch Gebrüll, Einschüchterung oder ideologische Muskelspiele gewinnen, sollte vielleicht lieber Wrestling kommentieren. Forschung lebt vom Streit – allerdings von der Sorte, bei der Argumente aufeinandertreffen und nicht bloß Lautstärken.

    Interessant ist jedoch die Versuchung, für jede neue gesellschaftliche Verwerfung sofort ein neues Dokument zu verfassen. Handreichungen vermehren sich inzwischen schneller als Kaninchen auf einem Karottenfeld. Irgendwann wird es vermutlich eine Handreichung zum angemessenen Umgang mit Handreichungen geben.

    Die eigentliche Demokratieprüfung findet ohnehin nicht auf Papier statt. Sie beginnt in dem Moment, in dem jemand eine absurde Meinung äußert und der Rest des Raumes entscheiden muss, ob er sie widerlegt, ignoriert oder verbieten möchte.

    Eine Universität, in der alle derselben Meinung sind, ist kein Ort der Erkenntnis. Sie ist ein Kloster ohne den Trost eines guten Bieres. Und das wäre ein ausgesprochen trauriger Gedanke. 🦌

    1. ZfW Author

      Vielen Dank für Ihren Kommentar! Genau, darum geht’s: Die Universität als Raum erhalten, in dem unterschiedliche Meinungen ihren Platz haben. Rat zu geben und Rat zu holen (z. B. durch Handreichungen), wie das gelingen kann, ist in unseren Augen keine Schwäche – im Gegenteil. Denn wir erleben ja in unserem Alltag, dass Lehrende zu dem Thema Ideen und Rat suchen. Auf jeden Fall danke für Ihren anderen Blickwinkel.

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