
Worum es in dieser Serie geht
Konventionen und Zitierweisen
Wissenschaftliche Texte beziehen sich immer auf andere Texte. Wenn Sie in Ihrem Text Wissen aus anderen Texten wiedergeben, was Sie vermutlich sehr häufig tun werden, müssen Sie angeben, aus welchen Texten Ihr Wissen stammt – das ist ein Grundprinzip von Wissenschaftlichkeit. So wird zum einen dafür gesorgt, dass das, was Sie sagen, für Leser*innen überprüfbar ist (Haben Sie die Informationen aus dem Quelltext richtig wiedergegeben, haben Sie nichts verfälscht?), zum anderen wird so die Urheberschaft von Autor*innen anerkannt. Die Art, wie Sie diese Quellenbelege/Literaturangaben in Ihrem Text anführen, ist festgelegt; das ist die Zitierweise, die in Ihrem Fach gilt.
Auch diese Konventionen unterliegen einer Entwicklung, sie sind nicht starr von einer wie auch immer gearteten Autorität festgelegt, sondern verändern sich. Ein Beispiel dazu aus meiner eigenen (bisherigen) Bildungslaufbahn: Als ich angefangen habe, hier an der RUB zu studieren – was zugegebenermaßen recht lange her ist – war die Zitierweise mit Fußnoten noch deutlich stärker verbreitet als jetzt, in all meinen drei Fächern (Geschichte, germanistische Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft) wurde in der Regel mit Fußnoten zitiert. Heute ist die Verwendung von Fußnoten deutlich seltener geworden, Quellenangaben im Text sind auch in diesen Fächern deutlich häufiger zu sehen. Hinter den verschiedenen Zitierweisen stehen unterschiedliche Traditionen, Funktionen und Lesegewohnheiten: Wenn Belege im Text angegeben werden, ist der Bezug auf den Fachdiskurs im Text präsenter und das Lesen wird nicht durch einen Sprung in die Fußnoten gestört. Ein Zitationssystem mit Fußnoten entlastet dagegen den Haupttext von Klammern und Einschüben und ermöglicht es zudem, in den Fußnoten weitere inhaltliche Aspekte zu diskutieren und so neben dem Haupttexte eine weitere Textebene aufzumachen. Gerade letzteres wird in machen Fächern intensiv genutzt.
Fachspezifische Weisen Wissen zu produzieren
Hier sind wir bei einem entscheidenden Punkt: Die Unterschiede in Konventionen, Formulierungen, Art der Argumentation, die Sie in wissenschaftlichen Texten verschiedener Disziplinen wahrnehmen und die Sie in Ihren eigenen Texten an der Universität umsetzen müssen, sind nicht abstrakt für alle Zeiten festgelegt worden oder beruhen auf den Vorlieben einzelner Autor*innen oder gar Ihrer Lehrenden. Sie sind vielmehr sichtbarer Ausdruck wissenschaftlicher Praktiken der verschiedenen Fächer. Diese verändern sich. „Disziplinen entwickeln spezifische Praktiken, die das Handeln ihrer Angehörigen prägen und sich in Fachkulturen zeigen. Diese Praktiken (z.B. die besonderen Weisen, Argumente und Diskurse zu führen, der Ausdruck von Kritik, die Zulässigkeit von Formulierungen) werden insbesondere an kommunikativen Artefakten (Texten, Dialogen mit anderen Wissenschaftler:innen und Studierenden) sichtbar.“ (Jenert, Scharlau 2022, S. 156)
In wissenschaftlichen Texten zeigt sich, wie in der jeweiligen Disziplin Wissen generiert wird, wie dieses Wissen anderen, vor allem der eigenen Fachcommunity, präsentiert wird und wie kommuniziert wird.
Ob z. B. in einem Fach das Wort „ich“ verwendet wird, hat viel damit zu tun, welche Vorstellungen von Objektivität bei der Wissensproduktion vorherrschen. Vor allem in quantitativ-empirisch arbeitenden Fächern (z. B. technische und naturwissenschaftliche Fächer) wird das Wort vermieden, weil es in der Regel nicht relevant ist, wer einen Versuch durchgeführt hat. In anderen Bereichen und Forschungstraditionen ist es dagegen für die Nachvollziehbarkeit von Ergebnissen und Interpretationen oft wichtig, die Perspektive zu kennen, aus der eine Forschung durchgeführt wurde. Dann ist die Verwendung des Wortes „ich“ oft gefordert, so z. B. bei einer empirisch qualitativen Studie, für die teilnehmende Beobachtung verwendet wird.
Indem Sie sich an die für Ihr Fach geltenden Konventionen halten, zeigen Sie schon mit der äußerlichen Form Ihres Textes an, in welcher Disziplin er verortet ist. Es sind die Spielregeln des wissenschaftlichen Geschäfts, auf die sich die Mitglieder der Community geeinigt haben. Sie üben mit Ihren Texten an der Universität, sich in diese Community ‚hineinzuschreiben‘ und zu -denken, daher gelten diese Spielregeln auch für Sie und Ihre Texte.
Doch wie finden Sie nun heraus, welche fachspezifischen Konventionen für Sie gelten, wenn Sie einen Text schreiben? In den allermeisten Fakultäten gibt es Handreichungen für Studierende, in denen die Formalia wissenschaftlichen Arbeitens erklärt werden, häufig sind sie auf den Webseiten der Dekanate oder Prüfungsämter zu finden. Teilweise gibt es formale Vorgaben, die für die ganze Fakultät gelten, für einzelne Teilfächer, auch Lehrstühle weisen auf die Formalia hin. Schauen Sie auf den entsprechenden Websites oder in den Moodlekursen nach und fragen Sie Ihre Lehrenden!

Eine Hausarbeit ist eine Hausarbeit ist eine Hausarbeit …
Bei fachspezifischen Unterschieden geht es aber eben nicht nur um die Formalia, sondern um, wie oben erwähnt, wissenschaftliche Praktiken. Daher ist eben eine Hausarbeit nicht immer dasselbe, sie ist nicht unabhängig von der fachlichen Verortung zu sehen. Überlegungen, was eine Hausarbeit eigentlich ist und was Sie darin zeigen sollen, finden Sie hier. Es gibt, wie der Beitrag zeigt, generelle Anforderungen, die fachübergreifend gelten. Und es gibt gleichzeitig erhebliche fachspezifische Unterschiede:
In einer Hausarbeit, die Sie beispielsweise im Fach Chemie schreiben, kann es Ihr Auftrag sein, einen Versuch, den Sie unternommen haben, zu beschreiben und auszuwerten. Sie beschreiben den Versuchsaufbau, den Verlauf des Versuches anhand Ihrer Laborprotokolle, Schwierigkeiten, die es eventuell gegeben hat, Sie stellen die Ergebnisse dar und werten diese aus. So werden in der Chemie – und in anderen Naturwissenschaften – Erkenntnisse gewonnen, mithilfe von Beobachtungen und Simulationen im Labor. Diesen Erkenntnisprozess spiegeln Sie dann in Ihrer Hausarbeit wider.
In einer geschichtswissenschaftlichen Hausarbeit arbeiten Sie in erster Linie mit Texten. Sie suchen sich ein Thema aus, entwickeln dazu eine Fragestellung und erschließen das Thema über eine geeignete Gliederung. In der Regel arbeiten Sie in einer geschichtswissenschaftlichen Hausarbeit mit historischen (Text-)Quellen, die Sie analysieren und in ihren Entstehungskontext einordnen. Was sagen diese Quellen über Ihr Thema aus, widersprechen sie einander oder ergibt sich in verschiedenen Quellen ein ähnliches Bild? Häufig ist in Arbeiten in der Geschichtswissenschaft eine Quelle auch der Ausgangspunkt aller weiteren Überlegungen: Anhand der Quelle wird die Fragestellung für die Arbeit entwickelt und das Vorgehen abgeleitet. Durch eine quellen- und textkritische Analyse kommen Sie zu Erkenntnissen in Bezug auf Ihre Fragestellung.
Diese Beschreibungen ließen sich für jedes Fach, das Sie an der RUB studieren können, fortsetzen, wobei es zwischen den einzelnen Fächergruppen Überschneidungen gibt. Entscheidend ist für Sie, was Ihr Auftrag in einer Hausarbeit ist, ob Beschreibung von eigenen Versuchen, die Durchführung einer (kleinen) empirischen Studie oder eine kritische Auseinandersetzung mit Primär- und Sekundärtexten anhand einer selbst entwickelten Fragestellung.
Vielleicht ist das der wichtigste Hinweis, wenn es um die Fachspezifik beim wissenschaftlichen Schreiben geht: Finden Sie heraus, was für Sie gilt, was Sie wie tun müssen! So verstehen Sie auch immer besser, worum es in Ihrem Fach geht und wie dort neues Wissen produziert wird. In vielen Fächern gibt es Hinweise zum Verfassen schriftlicher Arbeiten, in denen häufig auch Aufbau und Charakter der Arbeiten beschrieben werden. Fragen Sie Ihre Lehrenden, was Ihr Auftrag in einer Hausarbeit ist. Und vor allem: Lesen Sie fachspezifische Texte im Hinblick darauf, was die Autor*innen dort eigentlich tun.
Wir unterstützen Sie, die Regeln in Ihrem Fach herauszufinden:
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