Gesellschaftliche Verantwortung in der Lehre: Gemeinsam Zukunft gestalten

Blick auf das Audimax der Ruhr-Universität Bochum, bunte Stiefmüttechen sind im Vordergrund zu sehen.
Gesellschaftliche Verantwortung ist ein zentraler Anspruch guter Lehre an der RUB. Sie zeigt sich u. a. dort, wo Studierende gemeinsam mit nicht-wissenschaftlichen Partner*innen im Sinne von Challenge-based Learning an realen gesellschaftlichen Herausforderungen arbeiten. Mit dem Centre for City Futures schafft die RUB hierfür neue Räume und verbindet Lehre, Forschung und Stadtgesellschaft.
Der Autor dieses Beitrags
Michael Weckop.
©RUB, Marquard

Michael Weckop arbeitet seit 2019 im Dezernat für Hochschulentwicklung und Strategie an der Ruhr-Universität Bochum und setzt dort u. a. Campusprojekte zur Innovationsförderung im Bereich Lehre und Transfer um. Er betreut daneben auch das Universitätsprogramm zum Forschenden Lernen. Innerhalb von UNIC ist er für die Kooperation mit der Stadt Bochum und die Integration von städtischen Herausforderungen in Lehre und Forschung zuständig. Seit Ende 2025 verantwortet er das neugegründete Centre for City Futures.

Kontakt:CentreForCityFutures@ruhr-uni-bochum.de

Gesellschaftliche Verantwortung als Kern universitärer Lehre

Die Ruhr-Universität Bochum versteht Lehre nicht allein als Wissensvermittlung, sondern als gemeinschaftlichen Prozess, der Studierende dazu befähigt, Verantwortung in und für die Gesellschaft zu übernehmen. Das Leitbild Lehre bringt diesen Anspruch klar zum Ausdruck: „Gemeinsam für die Welt von morgen“ bedeutet, Lehre so zu gestalten, dass sie kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit gleichermaßen fördert.
Gesellschaftliche Verantwortung in der Lehre heißt dabei, aktuelle Herausforderungen – etwa soziale Ungleichheit, Nachhaltigkeit, demokratische Teilhabe oder urbane Transformationsprozesse – nicht nur zu thematisieren, sondern aktiv in Lehr-Lern-Formate einzubinden. Studierende sollen lernen, wissenschaftliche Perspektiven mit gesellschaftlichen Bedarfen zu verbinden, unterschiedliche Wissensformen wertzuschätzen und gemeinsam tragfähige Lösungsansätze zu entwickeln.

Lehre öffnen: Lernen mit und von der Gesellschaft

Ein wichtiges Element der Lehre an der RUB ist daher die Öffnung nach außen. Wenn nicht-wissenschaftliche Partner*innen aus Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft, Kultur, Wirtschaft oder Initiativen in die Lehre eingebunden werden, entstehen Lernräume, die weit über den Seminarraum hinausreichen. Studierende erleben, dass ihr Wissen relevant ist – und dass gesellschaftliche Fragestellungen komplex, vielstimmig und selten eindeutig lösbar sind.

Ein erprobtes Format sind die UNIC CityLabs: Gemeinsam mit lokalen nicht-wissenschaftlichen Akteur*innen, wie der Stadt Bochum oder anderen lokalen Stakeholdern, werden zunächst gesellschaftliche Herausforderungen identifiziert. Im Sinne von Challenge-based Learning werden im Anschluss diese Herausforderungen sowie relevante Praxispartner*innen in die Lehre eingebunden. Die Studierenden machen sich dazu mit den identifizierten Herausforderungen vertraut, tauschen sich zu diesen mit den Akteur*innen aus und erarbeiten Lösungsideen. Die Studierenden präsentieren diese abschließend den beteiligten Praxispartner*innen sowie ggf. weiteren Akteur*innen, für die die Lösungsideen von Interesse sein könnten.

Beispiele für durchgeführte CityLabs finden sich unter: https://rub.de/centreforcityfutures 
Gerade in dieser engen Zusammenarbeit mit externen Akteur*innen zeigt sich der besondere Mehrwert solcher Formate: Bei den Studierenden fördern diese nicht nur fachliche und methodische, sondern auch überfachliche Kompetenzen wie Kommunikation, Perspektivwechsel, Teamarbeit und Verantwortungsbewusstsein. Und auch für die Praxispartner*innen zahlt sich deren Engagement am Ende aus: Sie erhalten Zugang zu wissenschaftlichen Perspektiven, neuen Ideen für die eigene Praxis sowie zu engagierten Studierenden. Universitäre Lehre wird so zu einem Ort des wechselseitigen Lernens.
Worum es in dieser Serie geht

In dieser Serie setzen wir uns gemeinsam mit dem Dezernat 1 und verschiedenen Akteur*innen an der RUB mit dem Leitbild Lehre und Studium auseinander.

Das Leitbild wurde in einem umfangreichen partizipativen Prozess aktualisiert und 2024 veröffentlicht. Es soll für den Lehr- und Lernalltag an unserer Universität handlungsleitend sein.

Wir gehen in dieser Serie auf einzelne Aspekte aus dem Leitbild ein, stellen Ansprechstellen und -personen vor, gehen auf Beratungs- und Weiterbildungsangebote ein und zeigen Beispiele zur praktischen Umsetzung.

Deckblatt des "Leitbilds Lehre und Studium: Gemeinsam für die Welt von Morgen."

Verantwortung gemeinsam tragen

Gesellschaftliche Verantwortung in der Lehre ist keine Aufgabe einzelner Akteur*innen. Sie entsteht dort, wo Lehrende, Studierende, Mitarbeitende in Technik und Verwaltung sowie externe Partner*innen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Das Leitbild Lehre der RUB bietet hierfür eine klare Orientierung: Lehre ist partizipativ, reflexiv und zukunftsgerichtet – und sie lebt von Zusammenarbeit.

Indem Lehre gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, stärkt sie nicht nur die Qualität des Studiums, sondern auch die Rolle der Universität als gestaltende Kraft in der Gesellschaft. Studierende werden befähigt, komplexe Herausforderungen zu verstehen und aktiv an der Welt von morgen mitzuwirken – gemeinsam, kritisch und verantwortungsvoll.

Das Centre for City Futures: Verantwortung praktisch umsetzen

Mit dem Centre for City Futures (RUB CCF) schafft die RUB einen institutionellen Rahmen, um gesellschaftliche Verantwortung systematisch in Lehre und Studium zu verankern. Das RUB CCF fungiert als Schnittstelle zwischen Universität und Stadtgesellschaft und bündelt Lehr- und Forschungsaktivitäten zu urbanen Zukunftsfragen. In Kooperation mit nicht-wissenschaftlichen Partner*innen werden reale Herausforderungen aus der Stadt Bochum und darüber hinaus in die Lehre integriert.

Im Kontext des RUB CCF arbeiten Studierende projektbasiert, forschend und interdisziplinär. Sie entwickeln Konzepte, analysieren Problemlagen und erproben Lösungsansätze gemeinsam mit Akteur*innen aus der Praxis. Damit wird das im Leitbild Lehre formulierte Ziel, Studierende aktiv in Gestaltungsprozesse einzubinden, konkret erfahrbar. Studierende werden nicht nur als Lernende, sondern als Mitgestaltende ernst genommen.

Alle Bilder: © RUB, Marquard

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