Design Thinking ist bekannt für bunte Post-It’s, teure Weiterbildungen und Hipness, manchmal leider auch für wilde Persona-Konstrukte oder eher mäßige Ideen in zeitgemäßer Anmutung. Lassen Sie gerne diese Assoziationen für einen Moment zur Seite, denn Design Thinking bietet vielfältige Ansatzpunkte für die Hochschullehre.
Kreative Praktik für komplexe Aufgaben
Design Thinking versteht sich als allgemeiner Ansatz, um systematisch und methodisch komplexe Problemstellungen zu bearbeiten und innovative Lösungen zu entwickeln. Es ist eine kreative Praktik, die Schritt für Schritt angewendet werden kann, um neue Vorschläge für komplexe Aufgaben zu finden.
Für die Lehre heißt das: Die zentrale Stärke von Design Thinking besteht darin, dass es auch in Lehrveranstaltungen unmittelbar erlebt und angewendet werden kann. In zweiter Linie kann es als eigene Praxis kritisch reflektiert werden. Wenn Sie Design Thinking als allgemeine Methode zur Bearbeitung komplexer Problemstellungen einführen möchten, können die im Design Thinking genutzten Konzepte und Methoden grundsätzlich in allen wissenschaftlichen Disziplinen erfolgreich genutzt werden.
Wenn Sie Themen wie Theoretische Physik oder Systemtheorie auf ungewöhnliche Art und Weise verständlich machen möchten, ist Design Thinking zielführend.
Die Voraussetzung für die Einführung des Ansatzes ist, dass das zu behandelnde Thema zu einer gestaltend-handlungsorientierten Perspektive passt. Theoretische Physik oder soziologische Systemtheorie werden sehr gut ohne Design Thinking auskommen. Wenn Sie aber Ideen suchen, wie theoretische Physik oder Systemtheorie auf ungewöhnliche Art und Weise für die Öffentlichkeit verständlich gemacht werden können, ist der Ansatz wiederum zielführend.
Es gibt drei Kernelemente von Design Thinking. Das erste ist die Denkhaltung. Sie ist geprägt davon, Nutzer*innenperspektiven einzunehmen, Empathie zu Betroffenengruppen aufzubauen und ihre Bedürfnisse, Wünsche und Rahmenbedingungen herauszuarbeiten sowie davon ausgehend Ideen zu entwickeln.
Kernelement zwei ist ein Prozess- bzw. Vorgehensmodell, das stark iterativ ist. Start des Design Thinking-Prozesses ist eine sogenannte (Design) Challenge, also eine Problemstellung, zu der Design Teams eine Lösung entwickeln sollen. Solche Problemstellungen sind idealerweise durch bzw. mit einem realen Auftraggeber formuliert; sie können im Rahmen einer Lehrveranstaltung grundsätzlich aber auch konstruiert sein (Fallbeispiel bzw. Szenario). Davon ausgehend unterscheidet Design Thinking je nach Quelle vier bis sechs Schritte, die auf dem Weg von der Problemstellung bis zu einem ersten Lösungsvorschlag durchlaufen werden.
Das dritte Kernelement von Design Thinking ist die Vielzahl von Werkzeugen bzw. Techniken, die die Lösungsfindung unterstützen. Alle hier aufzuzählen, ist nicht möglich. Daher nur vier Beispiele, die zu den einschlägigen und bekannteren gehören:
Jobs to be done: eine Hilfstechnik zur Herausarbeitung zentraler Funktionen eines Produkts oder einer Dienstleistung;
How might we ask: eine Technik, um eine klare Fragestellung zu formulieren;
Persona: eine Zielgruppen- bzw. Nutzer*innenkonstruktion;
Verschiedene Arten von “Maps” (Journey Map, Empathy Map etc.): vorgefertigte Poster mit strukturierten, meist sequenziell abzuarbeitenden Leitfragen
Insbesondere, wenn Sie mit Personas arbeiten (lassen), achten Sie bitte darauf, dass dabei keine geschlechtsspezifischen oder anderen Stereotype reproduziert werden. Das gleiche gilt für die im Design Thinking oft genutzte Visualisierung von Personas. Hier sollten die Gesichter/ Personen/ Menschen die Diversität abbilden, die in der Realität existiert.
Wie Sie Design Thinking konkret in Ihrer Lehre nutzen können, wie Sie in einer Lehrveranstaltung mit Design Thinking prüfen können und welche Good practice-Beispiele es innerhalb der Universitätsallianz Ruhr (UAR), also an Ruhr-Universität Bochum, Universität Duisburg-Essen und Technische Universität Dortmund, bereits gibt, das erfahren Sie im LEHRELADEN-Beitrag über Design Thinking von Dr. Karsten Altenschmidt.
Einen umfangreichen Beitrag zu Design Thinking finden Sie hier im LEHRELADEN.
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