
Die Autorin dieses Beitrags

Kristina Boosmann ist Mitarbeiterin im Bereich Hochschuldidaktik des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik. Ihre Themenschwerpunkte sind die Konzeption und Umsetzung des Hochschuldidaktischen Qualifizierungsprogramms insbesondere mit Angeboten im Themenfeld Studierende beraten.
Darüber hinaus begleitet sie Lehrende bei der Umsetzung des Vertiefungsmoduls.
Vom Leitbild in die Praxis: Ein fiktives Fallbeispiel
Die kollegiale Beratungsgruppe aus dem Hochschuldidaktischen Qualifizierungsprogramm bietet Ihnen ein Forum, um Fragen zu Ihrem Vorgehen in der Lehre im interdisziplinären Austausch zu reflektieren. Ziel ist, Lösungen für Situationen in der Lehre zu finden. Hierzu trägt der strukturierte und moderierte Austausch von Erfahrungen und Perspektiven bei.
Lehrende, die an diesem Angebot teilgenommen haben, schätzen vielfach den Blick und Austausch über den Tellerrand der eigenen Disziplin.
Steigen wir ins fiktive Fallbeispiel ein:
Was es vorab zu bedenken gilt
Vor dem Start sollten Fragen wie diese geklärt werden:
Rollen in der kollegialen Beratung
Moderator*in
Fallgeber*in
Die weiteren Lehrenden
Worum es in dieser Serie geht
In dieser Serie setzen wir uns gemeinsam mit dem Dezernat 1 und verschiedenen Akteur*innen an der RUB mit dem Leitbild Lehre und Studium auseinander.
Das Leitbild wurde in einem umfangreichen partizipativen Prozess aktualisiert und 2024 veröffentlicht. Es soll für den Lehr- und Lernalltag an unserer Universität handlungsleitend sein.
Wir gehen in dieser Serie auf einzelne Aspekte aus dem Leitbild ein, stellen Ansprechstellen und -personen vor, gehen auf Beratungs- und Weiterbildungsangebote ein und zeigen Beispiele zur praktischen Umsetzung.
Prinzipien der kollegialen Beratung
Vielfalt
Hypothesen
Struktur
Oberflächlichkeit
Fehlerfreundlichkeit
Humor
Quelle:
in Anlehnung an Herwig-Lempp, 2009, S. 155 f.
Ablauf mit Veranschaulichung am fiktiven Fallbeispiel
Falldarstellung
Die Lehrperson im fiktiven Fallbeispiel „vom Kümmerer zum Prüfer“ beschreibt sich als zugewandt und unterstützend. Sie definiert ihren Erfolg teilweise über die guten Noten der Studierenden. Bei der Betreuung der Masterarbeit einer Studentin scheint sich die Lehrperson in eine Endlosschleife der Rückmeldungen gebracht zu haben.
Beratungsziel
Die Lehrperson konkretisiert ihr Beratungsanliegen, für das sie sich Anregungen und Ideen aus der Gruppe wünscht: „Wie setze ich jetzt noch Grenzen?“
Klärungsfragen
Die anderen Lehrenden aus der kollegialen Beratungsgruppe stellen Rückfragen:
„Gibt es klare Kriterien für die Betreuung?“
„Warum fällt es Dir so schwer, Nein zu sagen?“
Hypothesen, Assoziationen
Die Lehrenden, die sich den Fall und die Fragestellung angehört haben, bringen ihre Hypothesen dazu ein:
„Das Modulhandbuch definiert „Selbstständigkeit“ nicht klar genug, weshalb beide ihre Rollen frei interpretieren.“
„Die Studentin scheint keine fachlichen Lücken zu haben, sondern Angst vor dem eigenen Urteil. Diese Ängste lädt sie bei der Lehrperson ab.“
Lösungsoptionen
Die anderen Lehrenden bringen in beliebiger Reihenfolge ihre Lösungsideen ein. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass es nicht um die perfekte Lösung geht. Denn die liegt ganz bei der/dem Fallgeber*in. Was zählt ist die Devise: Je mehr Ideen, desto besser. So erhält die Lehrperson vielfältige Optionen zu handeln.
„Ein klärendes Gespräch könnte hilfreich sein. Nützliche Worte für den Einstieg könnten dabei für Dich sein: „Ich merke, dass unsere derzeitige Arbeitsweise Sie nicht sicherer, sondern unsicherer macht.“.“
„Könntest Du Deine Rückmeldungen limitieren? Wie wäre es zum Beispiel damit: „Sie haben noch genau zwei Joker für Rückmelde-Runden“.“
Ausblick der Fallgeber*in
Die Lehrperson beschreibt, was sie als nächstes tun möchte. Die Verantwortung für den nächsten Schritt liegt allein in ihren/seinen Händen. Es geht nicht um eine Rückmeldung an die anderen Lehrenden im Sinne einer Priorisierung des besten Einfalls. Die Lehrperson argumentiert mit dem Inhalt, der auch der eigene Gedanke sein kann, ausgelöst durch die Rückmeldungen der anderen Lehrenden.
„Meine Rückmeldungen zu limitieren treibt mich gerade um. Daran möchte ich ansetzen. Dazu werde ich …“.
Angebote im ZfW
Sie haben Interesse daran, die kollegiale Beratung in Ihrem Arbeitsbereich umzusetzen? Wir beraten Sie dazu gerne. Melden Sie sich gern per Mail an zfw-hd@rub.de und wir stimmen einen Termin für die gemeinsame Planung ab.
Darüber hinaus bieten wir Ihnen im ZfW diese Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung von kollegialer Beratung in Ihrem Arbeitsalltag an:
Teaching Analysis Poll (TAP) – Zwischenevaluation zur Semestermitte:
Das TAP bieten wir Ihnen in einem neuen, kollegial ausgerichteten Format an.
Wie lernen meine Studierenden in meiner Lehre am besten? Was verhindert ihr Lernen? Was wären Möglichkeiten, um das zu verbessern? Der nächste Termin ist der 20. März 2026. Anmeldungen sind hier möglich.





