Es sind ungefähr zehn Minuten der Lehrveranstaltungs-Sitzung vergangen, da stehen die Studierenden auf und laufen durch den Raum. In Kleingruppen treffen sie sich in den Ecken, reden über ihre Erwartungen und Vorwissen zum Thema der Sitzung. Dann setzen sie sich wieder, hören zu, nur um knappe zwanzig Minuten später über den Flur zu laufen. Nicht, weil sie keine Lust mehr haben. Nein, es gehört zum Konzept. Herzlich willkommen in der „bewegten Lehre“.
Lernprozesse unterstützen
Aktiv-dynamisches Unterrichtsprinzip
Bewegte Hochschullehre bezeichnet ein Lehrkonzept, das Bewegung gezielt in den Hochschulalltag integriert, um Lernprozesse zu unterstützen und gesundheitliche Vorteile zu nutzen. Durch einen bewussten Wechsel zwischen sitzenden und aktiven Phasen wird die Lehre dynamischer, bedürfnisgerechter und effektiver gestaltet.
„Ziel ist eine lernwirksame, gesundheitsfördernde Hochschullehre.“
Das Konzept der bewegten Lehre integriert Bewegung als aktiv-dynamisches Unterrichtsprinzip, um Sitzlernen in bewegtes Lernen zu überführen. Ziel ist eine lernwirksame, gesundheitsfördernde Hochschullehre – die „gute bewegte Lehre“. Die Grundprinzipien des Modells (Rupp et al. 2020):
Sitzendem Verhalten gezielt entgegenwirken – dort, wo es besonders ausgeprägt ist: in der Hochschule, insbesondere in der Lehre.
Lehre bedürfnisorientiert gestalten.
Bewegung gezielt zur Steigerung von Lernerfolg und Gesundheit einsetzen.
Bewegungsförderung als festen Bestandteil der Hochschullehre etablieren.
Dynamik durch Wechsel zwischen sitzenden, stehenden und bewegten Phasen schaffen.
Vorteile für Lehrende und Studierende
Die Vorteile bewegter Lehre liegen für die Erfinder*innen auf der Hand: Auf Lehrenden-Seite sorge sie für mehr Aufmerksamkeit, interaktive Lehre und bessere Lehrqualität, während Studierende Vorteile hätten wie eine höhere Konzentration, bessere Lernleistung und höhere Lernmotivation. Und abseits der Didaktik profitiere die Gesundheit, z.B. durch weniger Stress und Verspannungen, mehr Energie und langfristige Gesundheitsvorteile bei Lehrenden sowie weniger Sitzzeiten, Stressreduktion und ein gesteigertes Wohlbefinden bei Studierenden.
Schließlich wird Viel-Sitzen auch in der universitären Lehre als gesundheitliches Risiko angesehen: Diese „Stillsitzlehre“ kann die Lernleistung beeinträchtigen und gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Studien zeigen, dass Bewegung die kognitive Leistungsfähigkeit sowie die Lernmotivation steigert, wie Mit-Erfinder Robert Rupp in einem Beitrag für LEHRELADEN schreibt. Und viele kleine Möglichkeiten, Bewegung in den Raum zu bringen, direkt mitliefert. So können sich Studierende Arbeitsblätter selbst an einem festen Ort abholen, es können Gallery-Walks didaktisch integriert und vorhandene Wände in Räumen gezielt genutzt werden. Und natürlich sind auch Positionierungen im Raum oder Paar- bzw. Gruppenbesprechungen laufend möglich. Weitere Methodenideen werden im LEHRELADEN beschrieben. Mehr zum Thema Bewegte Lehre finden Sie im gleichnamigen LEHRELADEN-Beitrag.
Unter dem Titel „Gegen Bildschirmmüdigkeit - digitale Lehre in Bewegung“ widmet sich dasGeFo DL Team der RUB dem Thema. Moderiert von ZfW-Mitarbeiter Robert Schütze kommt u.a. der Autor des LEHRELADEN-Beitrags, Robert Rupp (Pädagogische Hochschule Heidelberg), in einem Input zu Wort. Die Veranstaltung findet online statt am Mittwoch, 08.07.2026, von 16:00 bis 18:00 Uhr.